Samstag, 26. September 2026

Was ist das Göttliche?

Ausstieg aus der Matrix, ja - aber wohin?
- Politik ist das Narrenseil, an dem die Völker seit über hundert Jahren in den Untergang geführt werden
- Das Göttliche - Trauma, Sucht und Prägung

Am 15. und 16. September 2026 habe ich zum Thema des vorliegenden Blogartikels zwei Videos veröffentlicht (Livestreams) (Yt2026, Yt2026b). In öffentlichen und privaten Rückmeldungen sind sie auf manches Verständnis und manche Zustimmung gestoßen. Ich habe mir zum ersten mal eine Zusammenfassung jedes dieser beiden Videos durch die Künstliche Intelligenz geben lassen. Ich bin überrascht, daß ich durch diese Zusammenfassungen noch einmal einen ganz anderen Blick auf meine eigenen Ausführungen bekomme. Auch die KI hat mich verstanden, mitunter womöglich sogar besser als ich mich selber verstanden habe. ;-) 

  

Denn mit der KI klingt alles ja doch noch ein bisschen "seriöser", sachlicher, weniger persönlich.

Was ist das Göttliche?

Zusammenfassung des ersten Videos ("Was ist das Göttliche?") durch die KI (Yt2026):

Kerngedanke

Der Vortrag versucht, die Frage „Was ist das Göttliche?“ nicht primär religiös-theologisch, sondern kulturphilosophisch zu beantworten. Die zentrale These lautet: Der Ausweg aus der heutigen „Matrix“ führt nicht durch eine andere Politik, sondern durch eine Wiederentdeckung von Sinn, Idealismus, Kultur und einem bewussten Verhältnis zum Göttlichen.

1. Kritik an der Fixierung auf Politik

Der Autor sieht die moderne Gesellschaft zu stark auf Politik konzentriert. Auch politische Alternativen blieben letztlich innerhalb desselben politischen Systems. Deshalb bezweifelt er, daß ein Wechsel der Partei die grundlegenden gesellschaftlichen Probleme lösen könne.

Entscheidend sei vielmehr eine Veränderung der Menschen selbst: Wenn sich die Menschen nicht verändern, könne sich auch die Politik nicht grundlegend verändern. Die offene Frage lautet dabei: In welche Richtung sollen sich Menschen verändern?

2. Vom Idealismus zum Existentialismus/Nihilismus

Ein großer historischer Bruch wird um 1914 bzw. 1945 angesetzt. Der Autor beschreibt die ältere westliche Kultur als von einem idealistischen Weltbild geprägt: Das Leben habe einen höheren Sinn, Kunst und Kultur hätten einen besonderen Wert und Menschen hätten sich an höheren Zielen orientiert.

Nach den Erfahrungen der Weltkriege habe sich dagegen ein existentialistisches bzw. später nihilistisches Weltbild ausgebreitet, in dem der Sinn des Lebens zunehmend fraglich oder verneint werde. Der Autor sieht darin eine wesentliche Ursache der heutigen kulturellen Orientierungslosigkeit.

3. Was bedeutet „das Göttliche“?

Das Göttliche wird nicht eindeutig als der Gott einer bestimmten Religion definiert. Vielmehr verbindet der Autor damit:

  • Sinn und einen höheren Lebenszweck
  • Idealismus und geistige Orientierung
  • Kunst, Philosophie und Wissenschaft
  • eine „Bereitschaft der Seele“
  • Unschuld und innere Tiefe
  • die Fähigkeit, sich einer Sache zu widmen, die über das eigene individuelle Glück hinausgeht.
  • Das Göttliche wäre damit etwas, das Menschen aus reinem Egoismus und bloßer Oberflächlichkeit herausführt.

4. „Aus der Matrix aussteigen“

Der Begriff „Matrix“ bezeichnet im Vortrag die kulturelle und geistige Ordnung der Gegenwart. Auffällig ist dabei die Umkehrung einer üblichen Vorstellung: Wer aus der Matrix aussteigen will, müsse nicht einfach das politische System wechseln*) oder an einen anderen Ort gehen. 

Vielmehr müsse man die eigenen geistigen und kulturellen Voraussetzungen verändern. Dazu gehöre insbesondere, sich nicht mehr ausschließlich an Konsum, persönlichem Glück, Unterhaltung und politischer Auseinandersetzung zu orientieren.

5. Kultur als Gegenmittel

Eine wichtige Rolle spielt für den Autor die Kunst. Er beruft sich unter anderem auf Rilke und dessen Gedicht Der Schwan. Der Schwan wird zum Bild für den Menschen, der zunächst unbeholfen mit dem Göttlichen umgeht, weil ihm die entsprechende kulturelle und geistige Übung fehlt.

Kunstwerke könnten Menschen „umkrempeln“, ihnen eine andere innere Ausrichtung geben und ihnen wieder Zugang zu einer tieferen Dimension des Lebens ermöglichen.

6. Erziehung und Jugend

Der Autor sieht einen entscheidenden Ansatzpunkt bei jungen Menschen. Kinder hätten zunächst noch eine Art natürliche Unschuld und unmittelbaren Zugang zum Leben. Durch die moderne Kultur würden sie jedoch früh an die herrschenden gesellschaftlichen Rhythmen und Formen der Unterhaltung angepasst.

Besonders Musik und kulturelle Gewohnheiten spielen für ihn dabei eine Rolle. Wer wirklich aus der Matrix herauswolle, müsse deshalb auch die kulturellen Rhythmen verändern, in denen Menschen leben.

7. Die Bedeutung von Krieg und kulturellem Bruch

Der Autor verbindet den Verlust des Sinnbewusstseins stark mit den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts. Er beschreibt 1945 als einen tiefen kulturellen Bruch und meint, danach sei das Bewusstsein für den geistigen Gehalt der eigenen Kultur weitgehend verloren gegangen.

Als Gegenbild nennt er ältere Literatur und Kulturwerke, die trotz der Katastrophen des 20. Jahrhunderts nach Möglichkeiten suchten, ein guter Mensch zu bleiben und dem Leben weiterhin Sinn zu geben. Als Beispiel führt er einen Roman an, der ihn persönlich stark beeinflusst habe.

8. Kultur und nationale Identität

Ein weiterer, politisch besonders relevanter Teil des Vortrags beschäftigt sich mit der deutschen Kultur. Der Autor beklagt einen Verlust deutscher kultureller Identität und verbindet diesen mit demografischen und migrationsbezogenen Veränderungen.

Dabei argumentiert er, dass die entscheidende Frage nicht durch Grenzpolitik oder eine bestimmte Partei gelöst werde. Vielmehr müsse sich Deutschland auf den geistigen und kulturellen Gehalt seiner eigenen Tradition besinnen. Er überträgt dieses Prinzip auch auf andere Völker: Engländer sollten den inneren Gehalt der englischen Kultur bewahren, Franzosen den der französischen usw.

9. Die persönliche Konsequenz

Am Ende steht weniger ein konkretes politisches Programm als eine Aufforderung zur persönlichen und kulturellen Umorientierung:

Nicht noch mehr Politik, sondern die Wiederentdeckung von Sinn, Kultur, geistiger Tiefe und dem Göttlichen.

Der Einzelne soll sich fragen, welche Lebensentscheidungen ihn dem Göttlichen näherbringen oder davon entfernen. Oberflächlichkeit, bloßer Hedonismus und das „Mitmachen“ gesellschaftlicher Trends werden abgelehnt. Stattdessen soll man sich anspruchsvollen kulturellen und geistigen Inhalten aussetzen.

Kurzfassung in einem Satz

Der Vortrag vertritt die These, dass die gegenwärtige gesellschaftliche Krise nicht primär politisch gelöst werden kann, sondern eine geistig-kulturelle Erneuerung erfordert: Menschen sollen wieder Sinn, Idealismus, kulturelle Tiefe und eine Beziehung zum „Göttlichen“ entwickeln und dadurch unabhängiger von den kulturellen Zwängen der Gegenwart werden.

Ein auffälliger Punkt des Textes ist allerdings, dass „das Göttliche“ letztlich eher umschrieben als systematisch definiert wird: Der Begriff bleibt bewusst weit und umfasst Sinn, Kultur, Kunst, moralische Orientierung, Unschuld und Transzendenz zugleich.

Soweit das erste Video. 

***

Zusammenfassung: „Das Göttliche – Trauma, Sucht und Prägung“

Die Grundlage des zweiten Videos (Yt2026b) ist insbesondere ein Blogartikel, der schon im Mai diesen Jahres veröffentlicht worden war (1). Hier nun eine inhaltliche Zusammenfassung dieses Videos durch die KI:

Hier ist eine zusammenhängende Zusammenfassung des Transkripts. Ich gebe dabei die Gedankenführung des Vortrags wieder, ohne die darin enthaltenen psychologischen oder wissenschaftlichen Aussagen zusätzlich zu bewerten.

Der Vortrag setzt eine frühere Auseinandersetzung mit dem Thema „das Göttliche“ fort. Ausgangspunkt ist eine persönliche Entwicklung des Autors: Er habe sich früher intensiv mit Politik, Verschwörungstheorien und der Aufklärung über politische bzw. gesellschaftliche Verbrechen beschäftigt. Dabei sei ihm zunehmend die Erfahrung von Machtlosigkeit entstanden. Selbst wenn sehr viel Wissen über Mißstände vorhanden sei, führe dieses Wissen nicht automatisch zu Veränderungen. Daraus entwickelt er die Frage, was Menschen tatsächlich Kraft geben könne. Seine Antwort ist die Verbindung mit dem Göttlichen.

1. Trauma als Unterbrechung der Verbindung zum Göttlichen

Ein zentraler Bezugspunkt ist die Arbeit von Gopal Norbert Klein. Der Vortragende verbindet dessen Konzept der frühkindlichen Traumatisierung mit einer spirituellen Perspektive.

Für ihn entsteht durch eine gute frühe Beziehung zu den Eltern Urvertrauen. Dieses Urvertrauen wird als eine Art ursprüngliche Einbettung des Menschen in das Göttliche verstanden. Fehlt es aufgrund früher Traumatisierung, entsteht dagegen eine „Wand“ zwischen dem Menschen und dem Göttlichen. Die Traumatisierung wirkt damit nicht nur psychologisch, sondern auch als Störung der spirituellen Beziehung.

Der Vortragende geht noch weiter und vertritt die These, daß die Verbindung zum Göttlichen auch für Traumaheilung entscheidend sei. Er vermutet, daß frühere Kulturen trotz erheblicher traumatischer Erfahrungen besser mit diesen umgehen konnten, weil ihre Verbindung zum Göttlichen stärker gewesen sei.

2. Prägung und erste Erfahrungen

Neben Trauma sieht der Vortragende einen zweiten Mechanismus: Prägung.

Er erläutert zunächst den Begriff anhand von Konrad Lorenz und der Nachfolgeprägung bei Gänseküken. Davon ausgehend unterscheidet er frühe, besonders dauerhafte Lernprozesse von späterem, stärker durch Belohnung und Konditionierung geprägtem Lernen.

Eine besondere Bedeutung schreibt er den ersten sexuellen Erfahrungen zu. Diese könnten seiner Auffassung nach die spätere Sexualität stark prägen. Ein positives und als wertvoll empfundenes erstes Erlebnis könne einen günstigen Einfluß auf das weitere Leben haben; ein negatives oder vom Göttlichen entferntes Erlebnis könne dagegen einen langfristigen „Schatten“ erzeugen.

Der Vortragende verbindet dies mit einer allgemeinen Kulturkritik: Frühzeitige Sexualisierung, Party- und Alkoholkultur sowie eine Orientierung an möglichst vielen Erlebnissen könnten seiner Ansicht nach Prägungen erzeugen, die später das Verhältnis zu Liebe, Sexualität und zum Göttlichen erschweren.

3. Sucht, Liebe und Bedürftigkeit

Das dritte große Thema ist Sucht. Der Vortragende versteht Sucht nicht ausschließlich als Abhängigkeit von bestimmten Substanzen oder Verhaltensweisen. Auch Liebe, Gewohnheiten und Bedürfnisbefriedigung können seiner Darstellung nach suchtförmige Eigenschaften annehmen.

Wenn eine erfüllende Form von Liebe fehlt, könnten Ersatzsüchte entstehen. Entscheidend sei deshalb, welches System im Menschen die Oberhand gewinnt: das Streben nach unmittelbarer Bedürfnisbefriedigung oder eine Orientierung am Göttlichen.

Dabei unterscheidet er zwischen guten und schlechten Gewohnheiten, Süchten und Prägungen. Nicht jede Gewohnheit sei eine Sucht; zwischen beiden gebe es jedoch Übergangsbereiche.

4. Das „Streß- und Bedürftigkeitssystem“

Der wichtigste konzeptionelle Schritt des Vortrags ist die Unterscheidung zwischen einem Streß-/Bedürftigkeitssystem und einer anderen, zunächst verborgenen seelischen Instanz.

Beim traumatisierten Menschen könne das Streßsystem dauerhaft aktiviert sein. Bei süchtigen Menschen trete entsprechend das Suchtsystem in den Vordergrund. Der Vortragende faßt beides zu einem System zusammen, das durch Bedürfnisse, Streß und Bedürfnisbefriedigung bestimmt wird.

Dieses System könne so dominant werden, daß andere Dimensionen des Seelenlebens kaum noch wahrgenommen würden. Der Mensch befinde sich dann gewissermaßen in einer „Traumwelt“, in der er äußere Situationen ständig als Bedrohung interpretiert.

Hier greift der Vortragende erneut auf Gopal Norbert Klein zurück. Dessen Ansatz versteht er so, daß traumatisierte Menschen gegenwärtige Situationen aufgrund ihrer inneren Projektionen als bedrohlich erleben. Das Streßsystem benötigt gewissermaßen ständig neue „Nahrung“ und der Kopf produziert Erklärungen dafür, warum eine Gefahr vorhanden sei.

5. Die gesellschaftliche Ebene

Der Vortrag überträgt dieses Modell anschließend auf die Gesellschaft. Auch gesellschaftliches und politisches Leben werde häufig von Bedürftigkeiten und Streß bestimmt: Wer bekommt was? Geht es uns gut oder schlecht? Wo gibt es Krieg, Krise oder Terror?

Der Vortragende sieht darin eine gesellschaftliche Dominanz des Streßsystems. Ständiger Streß verhindere seiner Auffassung nach, daß Menschen das Göttliche wahrnehmen können.

Hier verbindet sich seine frühere politische Beschäftigung mit seiner jetzigen spirituellen Perspektive: Er möchte nicht mehr hauptsächlich politische Mißstände analysieren, sondern fragt, was Menschen innerlich so verändert, daß sie sich überhaupt von solchen Zuständen lösen können.

6. Das zentrale Bild: Keller, Tür und Garten

Der persönlichste und zugleich wichtigste Teil des Vortrags ist das Bild eines Kellers mit einer verschlossenen Tür zu einem verwilderten Garten.

Der Keller steht für einen seelischen Zustand, in dem man jahrzehntelang nur auf der Ebene von Streß, Bedürfnissen und Reaktionen gelebt hat. Die Tür zum Garten wird dagegen zu einem Bild für einen bis dahin völlig unbeachteten Bereich der eigenen Seele – für eine Ressource, die zwar vorhanden ist, aber außerhalb des bisherigen Aufmerksamkeitsfeldes liegt.

In diesem Keller entdeckt der Vortragende außerdem das Bild einer Leiche. Sie symbolisiert für ihn etwas Abgestorbenes bzw. lange Nichtbeachtetes im eigenen Inneren. Das Bild sei zugleich unheimlich, weil mit dem Öffnen der Tür etwas zum Vorschein komme, das jahrzehntelang verdrängt oder unbeachtet gewesen sei.

Der entscheidende Gedanke lautet:

Die Tür selbst ist die Ressource.

Es geht also nicht zunächst darum, bereits über fertige psychische Kräfte zu verfügen. Entscheidend ist zunächst, überhaupt wahrzunehmen, daß es diesen anderen Bereich gibt und Zugang zu ihm zu gewinnen.

7. „Bei sich selbst ankommen“

Aus dieser Entdeckung entwickelt der Vortragende eine persönliche Konsequenz: Er möchte sich nicht mehr ausschließlich an den eigenen Bedürfnissen oder den Bedürfnissen anderer orientieren, sondern „bei sich selbst ankommen“.

Damit verbindet er das Göttliche mit Selbstfreundschaft, Wahrheit und innerer Aufmerksamkeit. Ein Mensch soll sich selbst gewissermaßen „der beste Freund“ werden. Dazu gehören für ihn Nähe zum Göttlichen, Offenheit für Wahrheit und die Fähigkeit, nicht ständig in Bedürftigkeits- und Reaktionsmustern gefangen zu sein.

Das Öffnen der Tür geschieht nach seiner Darstellung nicht plötzlich. Es könne Wochen oder Monate dauern, sich an den neuen inneren Zustand zu gewöhnen. Auch der Garten sei zunächst nicht schön und verwildert. Entscheidend sei zunächst, daß überhaupt Licht und frische Luft hineinkommen.

8. Der persönliche Schluß

Am Ende beschreibt der Vortragende diese Entwicklung als ein Gefühl, „bei sich selber zu Hause“ zu sein. Daraus könnten sich neue Möglichkeiten entwickeln, die vorher nicht sichtbar waren.

Auch seinen YouTube-Kanal versteht er in diesem Zusammenhang teilweise als eine Form von Selbsttherapie: Das Sprechen über die eigenen Erfahrungen helfe ihm selbst, unabhängig davon, wie viele Menschen tatsächlich zuhören. Er überträgt diese Idee sogar allgemein: Menschen könnten davon profitieren, ihre eigenen Erfahrungen auszusprechen und dadurch mit sich selbst ins Gespräch zu kommen.

Der letzte programmatische Schritt ist die Abkehr von der politischen Fixierung: Statt ständig über Politik zu sprechen, möchte der Vortragende bewußt über das Göttliche sprechen, weil er darin die grundsätzlichere Frage sieht.

Die Argumentationsstruktur in Kurzform

Politische Aufklärung → Erfahrung von Machtlosigkeit → Suche nach einer tieferen Kraft → das Göttliche

und auf der psychologischen Ebene:

Trauma / Sucht / Prägung → Dominanz von Streß und Bedürftigkeit → eingeschränkte Aufmerksamkeit → Verlust des Zugangs zu wertvollen inneren Bereichen → Entdeckung einer „Tür“ → Zugang zum eigenen Inneren → Selbstfreundschaft / Wahrheit → erneuerte Beziehung zum Göttlichen.

Der eigentliche Erkenntnisschritt des Vortrags besteht somit darin, daß nicht nur Trauma oder Sucht das Problem sind, sondern auch die Aufmerksamkeit selbst: Ein Teil der eigenen seelischen Wirklichkeit kann jahrzehntelang außerhalb des „Lichtkegels“ der Aufmerksamkeit liegen. Die Heilung besteht deshalb nicht allein darin, traumatische Inhalte zu analysieren, sondern darin, überhaupt einen Zugang zu dem bislang unbeachteten inneren Bereich zu finden. Genau hier sieht der Vortragende die Verbindung zwischen Aufmerksamkeit, Selbstsein und dem Göttlichen.

Wichtig: Das ist eine Zusammenfassung der im Transkript vertretenen Gedanken. Insbesondere Aussagen über Trauma, Prägung, Sexualität, Sucht, „Streßsystem“ und die heilende Funktion des Göttlichen werden hier als Positionen des Vortragenden wiedergegeben, nicht als wissenschaftlich überprüfte Tatsachen.

Soweit die KI. Ich mag die KI. ;-)

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*) Das klingt hier so, als gäbe es meinerseits doch eine - nicht ausgesprochenermaßen - Tendenz, mir ein anderes politisches System zu wünschen. Nun gut, der schwammige  Begriff "System" kann sehr viel heißen. Deshalb hier soviel zur Klarstellung: Wenn mit "System" eine im Grundgesetz nicht vorgesehene Herrschaft von Hintergrundmächten gemeint ist (nennen wir sie einmal ganz allgemein "Epstein-Strukturen", "Epstein-System"), dann ist ein solches "System" natürlich sehr dringend zu "wechseln", damit die verfassungsmäßige Ordnung, also die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die in unserem Grundgesetz vorgesehen ist, endlich - vermutlich zum ersten mal - tatsächlich verwirklicht wird. Es geht also darum, Verfassungstheorie und Verfassungswirklichkeit in Einklang miteinander zu bringen und sie aus dem lächerlich krassen Widerspruch heraus zu holen, in dem sie aktuell zueinander stehen. Es geht also um eine erstmalige Verwirklichung, nicht um Abschaffung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. "Systemwechsel" ist deshalb ein irreführender Begriff, da er leicht mit Verfassungsfeindlichkeit statt Verfassungstreue assoziiert wird. Bekanntlich brauchen Hintergrundmächte "Verfassungsfeinde", damit sie sich selbst als "die Guten" darstellen können.

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  1. Bading, Ingo: Gopal Norbert Klein - - - und das von der Aufmerksamkeit völlig Unbelichtete - Gopal Norbert Klein: Was wir von ihm lernen und was uns bei ihm (noch) fehlt. 14. Mai 2026 (Stg2026)

Donnerstag, 3. September 2026

"Das wiedergefundene Antlitz" (1944)

Eine sehr ungewöhnliche Novelle

Die Novelle "Das wiedergefundene Antlitz" (1) handelt von einem Selbstbildnis Albrecht Dürers aus dem Jahr 1493 (Abb. 1).

Abb. 1: Das "Selbstbildnis mit dem Kissen" von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1493 (Wiki) - Entdeckt 1927 im Ossolineum in Lemberg, im persönlichen Besitz Hitlers seit 1941, seit 1975 im Metropolitan Museum in New York

Sie entstand im Widerhall auf das merkwürdige Geschehen, das sich rund um dieses Selbstbildnis in den Anfangstagen des deutsch-sowjetischen Krieges Ende Juni 1941 in Lemberg ereignete.

Die Novelle wurde laut familiärer Überlieferung im Jahr 1944 geschrieben (2). Im Druck erschien sie im Jahr 1955. Das genannte Selbstbildnis ist erst 1927 bekannt geworden. Es erfährt in der Novelle eine hinreißende Deutung.

Die Novelle weist aber auch sonst einen großen Reichtum an zeitgeschichtlichen und kulturgeschichtlichen Bezügen auf (3-11). Die Grundaussage der Novelle ist: Inmitten der Unmenschlichkeit und der Verbrechen des Krieges - des Zweiten Weltkrieges - bleibt das Menschliche, das menschliche Antlitz bewahrt oder gar: wird wiederentdeckt. Aber auch dieses zutiefst menschliche Antlitz ist "zwiespältig", mehrdeutig, verwegen oder herausfordernd im Guten wie im Schlechten - so wie das Selbstbildnis Dürers von 1493.

Dieses Selbstbildnis ist nur Teil einer Sammlung von etwa 30 Zeichnungen Albrecht Dürers, die erst 1927 entdeckt worden sind (3), und die sich bis 1941 im Lubomirski-Museum in Lemberg befand (WikiC). Diese war Teil des dortigen Ossolineums (Wiki) (GMaps). Im folgenden eine kurze Darstellung der geschichtlichen Hintergründe dieser Dürer-Sammlung des Lubomirski-Museums in Lemberg (übersetzt aus dem Englischen) (7):

Lemberg mag als ein ungewöhnlicher Ort erscheinen für eine bedeutende Dürer-Sammlung. Doch im 19. Jahrhundert gehörte die Stadt zu Österreich. Die Zeichnungen zählten vermutlich zu jenen, die Rudolf der Zweite in den 1580er Jahren erwarb und die über 200 Jahre im Besitz der Habsburger Kaiser blieben. Schließlich kaufte sie Fürst Heinrich Lubomirski, ein adliger Gutsbesitzer, und schenkte sie einem Museum, das er 1823 in Lemberg gründete. Über ein Jahrhundert lang lagen die Zeichnungen in einer Kiste im Museum, völlig unbekannt den Dürer-Forschern. Erst 1927 wurde ihre Wiederentdeckung in einem Artikel von H. S. Reitlinger im Burlington Magazine bekanntgegeben. Lemberg war plötzlich stolzer Besitzer einer der bedeutendsten Sammlungen von Dürer-Zeichnungen - nach denen des Berliner Kupferstichkabinetts, der Wiener Albertina und des British Museum. Unter den Werken befand sich eines von Dürers Meisterwerken, sein prachtvolles Feder-Selbstporträt von 1493.

Diese Dürer-Zeichnungen standen 1941 unter der Obhut des polnischen Professors und Museumsdirektors Mieczysław Gębarowicz (1893-1984) (Wiki) (Abb. 2). Dieser hatte 1929 darüber auch eine Veröffentlichung herausgegeben (5).  

Abb. 2: Der polnische Kunsthistoriker Mieczysław Gębarowicz, 1941 Museumsleiter des Ossolineums, des Lubomirski- und des Barwaroski-Museums in Lemberg - In der Novelle tritt er als der ukrainische Kunsthistoriker "Leonyd Lischenko" auf

1940 und 1941 sind diese Dürer-Zeichnungen in Lemberg dann in Deutschland - von Seiten eines kunstliebenden Staatsoberhauptes - zur höchsten Staatsangelegenheit erhoben worden. Um alle Fragen um diese zu klären, wurde der österreichische Kunsthistoriker Kajetan Mühlmann (1898-1958) (Wiki) zum "Sonderbeauftragten" ernannt (7):

Zu den ersten NS-Funktionären, die die Stadt Lemberg betraten, gehörte Kajetan Mühlmann, der Sonderbeauftragte für den Schutz von Kunstwerken in den besetzten Gebieten. (...) Seine Mission in Lemberg, die er im persönlichen Auftrag von Reichsmarschall Hermann Göring unternahm, war die Suche nach Dürer-Zeichnungen für Hitler. Mühlmann brauchte sechs Tage, um die versteckten Dürer-Gemälde aufzuspüren. Einem Nazi-Bericht zufolge mußte der unglückliche Professor Gebarowicz „gründlich verhört“ werden, bevor er schließlich das Versteck der Zeichnungen preisgab. Mühlmann brachte sie umgehend nach Berlin und übergab sie Göring, der sie noch am selben Tag Hitler präsentierte.

In einem noch ausführlicheren Bericht ist festgehalten (10, 208f):

Die Sammlung Lubomierski in Lemberg enthielt 31 wertvolle Handzeichnungen von Albrecht Dürer. Hier kam es mit dem damaligen sowjetischrussischen Verbündeten zu einer Auseinandersetzung. Nach dem Stalin-Hitler-Pakt und dem in Zusammenhang stehenden Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28.9.1939 war Polen zwischen der Sowjetunion und Deutschland aufgeteilt worden. Lemberg lag im sowjetischen Teil. Die Russen hatten das Lemberger Museumswesen neu organisiert und die Sammlung Lubomierski aufgelöst. Als der Sonderbeauftragte der Reichsregierung im Frühjahr 1940 für das Auswärtige Amt der russischen Regierung das Angebot machte, die Dürer-Zeichnungen gegen gleichwertige Kunstwerke und literarische Denkmäler einzutauschen, lehnten die Russen ab. Hitler war nämlich der Meinung, daß die Zeichnungen Dürers nach Deutschland gehörten, da Dürer aus Nürnberg kam.
Im Auftrag Görings fuhren Mühlmann und Museumsdirektor Kudlich am Tage der Einnahme Lembergs dorthin, um Nachforschungen über den Verbleib der Zeichnungen anzustellen. In diesem Zusammenhang wurde auch Prof. Gebarowicz vom Bawarowski Museum vernommen, der erklärte, man habe die Zeichnungen vor den Russen sorgfältig versteckt. Nun wurden sie den Deutschen ausgehändigt, die sie beschlagnahmten, nicht ohne den Empfang zu bestätigen. Allerdings ergibt sich aus den Akten, daß es sich nunmehr um 23 Dürer-Zeichnungen gehandelt habe. Mühlmann überreichte im Juli 1941 persönlich Göring die Zeichnungen, der sie Hitler in das Führerhauptquartier brachte, wo sie zunächst blieben. Hitler soll sie lange bei sich gehabt haben. Nach dem Kriege fand die amerikanische Besatzungsmacht die nunmehr wieder 24 Handzeichnungen im Bergwerk Altaussee, zusammen mit den anderen Kunstwerken, die für das Museum Linz vorgesehen waren. Lubomirski verlangte von den Amerikanern die Rückgabe seines Eigentums. Nachdem Andreas Hofer die Identifikät der Zeichnungen bestätigt hatte, wurden sie Lubomirski persönlich am 26.5.1950 in München ausgehändigt, als Ausnahme von der Regel, die Kunstwerke nur an die jeweiligen Regierungen zurückzugeben.    

Nicht nur das Hauptgebäude des einstigen Ossolineums in Lemberg ist erhalten (Abb. 3), sondern auch das Gebäude des hier erwähnten Bawarowksi-Museums (Wiki, poln). 

Abb. 3: Das Hauptgebäude des Ossolineums in Lemberg - Hier befand sich auch das Lubomirski-Museum

Soweit nur einige historische Hintergründe. Die Auseinandersetzungen um die Rückgabe dieser, inzwischen weltweit verstreuten Dürer-Zeichnungen gehen bis heute weiter (7-11). Das genannte berühmte Selbstbildnis befindet sich beispielsweise seit 1975 im Metropolitan Museum in New York.

Das Ossolineum und die Lubomirski-Sammlung lagen 1941 nur sechs Fußminuten unterhalb der Zitadelle von Lemberg (GMaps). An diesem Ort endet auch der Handlungsverlauf der Novelle am 30. Juni 1941.

Das Ossolineum

Dieses Ossolineum ist 1817 von einem polnischen Kunstsammler, dem Grafen Joseph Maximilian Ossolinski (1748-1826) (Wiki), erworben worden. Es wurde, nachdem Polen Lemberg und seine Ostgebiete an die Sowjetunion abtreten mußte, nach 1945 in Breslau in Schlesien neu eröffnet (Wiki): 

Nach der Nationalbibliothek in Warschau und der Jagiellonen-Bibliothek von Krakau ist das Ossolineum heute die drittgrößte polnische Sammlung ihrer Art.

Als Lemberg 1940 russisch wurde, wurde das dortige Ossolineum zur "Stefanyk-Bibliothek" umbenannt. Als solche besteht sie bis heute weiter. Während der erneuten Besetzung Lembergs durch die Deutschen ab 1941 wurden viele Bestände des bisherigen Ossolineums nach Krakau und später nach Schlesien umgelagert.

Soweit wir das einer vorläufigen Lektüre entnehmen können, wurden all diese polnischen Kunst- und Kulturschätze damals umgelagert, "sicher gestellt". Wohl nur in seltenen Fällen wurde ein endgültiger Verbleib so festgelegt, daß er nur schwer hätte rückgängig gemacht werden können. Ob es deshalb richtig ist, schlankweg und umfassend von "Kunstraub" zu sprechen, wie das seit 1945 üblich geworden ist, soll an dieser Stelle zumindest bis auf weiteres dahin gestellt bleiben.  

Abb. 4: Einer der Ausstellungsräume des Lubomirski-Museums in Lemberg in der Zwischenkriegszeit (Lub-Mus)

Nach 1945 wurde das Ossolineum (Wiki) mit Hilfe der umgelagerten Bestände in Breslau mit etwa einem Drittel seiner bisherigen Bestände neu begründet (Wiki).

Indem der Autor den Handlungsverlauf am 30. Juni 1941 an diesem Ossolineum in Lemberg enden läßt, in dem das Selbstbildnis Dürers aus dem Jahr 1493 beherbergt war, greift er also verschiedene historische Sachverhalte auf und verbindet sie zu einem neuen romanhaften "Ganzen", ohne daß in jedem Detail dabei Wert gelegt wäre auf historische Genauigkeit, und wobei dennoch der Wesenskern des Geschehens erhalten bleibt. Solche historischen Sachverhalte sind: 

  • 1927 ist der kunstinteressierten Öffentlichkeit erstmals das sehr prägnante "Selbstbildnis mit dem Kissen" Albrecht Dürers aus dem Jahr 1493 (Abb. 1) bekannt geworden. Es war bis dahin unentdeckt in Kisten des Ossolineums verborgen gewesen. Es wurde bekannt durch die Veröffentlichung eines britischen Kunstsammlers in der Zeitschrift "The Burlington Magazine" (2-4). Es handelte sich also um einen britischen Kunstsammler. Es handelte sich also dabei weder - wie in der Novelle behauptet - um einen ukrainischen Kunsthistoriker, noch um eine polnische Kunsthistorikerin.
  • Ab dem 30. Juni 1941 hat der erwähnte Sonderbeauftragte Mühlmann während und nach der Besetzung Lembergs durch die Deutschen 26 Zeichnungen von Albrecht Dürer aus dem dortigen Ossoliński-Nationalinstitut unterhalb der Zitadelle von Lemberg "sichergestellt", einschließlich des Selbstbildnisses Dürers aus dem Jahr 1493. Soweit hält sich die Novelle an den historischen Sachverhalt.
  • Am 30. Juni 1941 fand die deutsche Wehrmacht nach der zweiten Einnahme von Lemberg in drei dortigen NKWD-Gefängnissen etwa 4000 politische Gefangene ermordet vor (Wiki). Die umwohnende Bevölkerung, die diese Morde an ihren eigenen Familienangehörigen mitbekommen hatte, war von diesen Gefangenenmorden zutiefst aufgewühlt. Während des weiteren Vormarsches und in späteren Ausgrabungen (Katyn) sollte die deutsche Wehrmacht noch an zahlreichen anderen Orten in Polen, den baltischen Ländern, der Ukraine und in Weißrußland auf solche Gefangenenmorde stoßen. Diese summierten sich insgesamt auf etwa 100.000 Gemordete (Wiki). In der Novelle ist als Ort dieser Gefangenenmorde in Lemberg die dortige Zitadelle angegeben. Die Morde fanden aber in Lemberg in drei NKWD-Gefängnissen über die Stadt verteilt statt. Gefangenenmorde auf der Zitadelle hat es hingegen in der polnischen Stadt Soltschiw (Wiki) 70 Kilometer östlich von Lemberg gegeben.

Hat die Novelle "Das wiedergefundene Antlitz" womöglich trotz mancher "historischer Ungenauigkeiten" einen besonderen, einen eigenen Wert?

Abb. 5: Kajetan Mühlmann rechts, hier zusammen mit dem Leiter des Generalgouvernements Hans Frank

Fast stellt sich ja die Frage, ob in dieser Novelle noch im Jahr 1944, bzw. im Jahr 1955 die Kunstliebe des Reichsoberhauptes verherrlicht werden sollte, obwohl dieses mit keinem Wort erwähnt wird. Wäre es dann aber nicht reichlich kühn gewesen, eine solche Novelle noch im Jahr 1955 zu veröffentlichen? Es scheint uns also unwahrscheinlich, daß dieser Gedanke als Absicht hinter dieser Novelle stand.

Es muß sich schon um sehr gute Literatur handeln, wenn man - etwa - zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und zu den Verbrechen der unterschiedlichen Völker aneinander eher einen Roman als ein Sachbuch lesen möchte. Denn im Grunde ist jedes gute Sachbuch, jeder gute Erlebnisbericht über den Zweiten Weltkrieg und über diese Verbrechen erschütternder als das ein Roman oder als das es eine Novelle je sein könnte.

Aber bei der Novelle "Das wiedergefundene Antlitz" ist das anders. Sie greift einen Kern des Geschehens heraus und gibt diesem Kern eine Bedeutung, die von der Öffentlichkeit zuvor so sicherlich noch nicht wahrgenommen worden war.

So gibt sie ein Stück weit den Dingen, insbesondere der Kunst wieder jene Wertigkeit zurück, die ihnen zukommen - gerade auch in Kriegszeiten. Dies ist das Thema dieser Novelle: Die eigenartige Konfrontation der Bemühungen rund um die Bewahrung von Kunstwerken, rund um die Bewahrung eines "wiedergefundenen Antlitzes" mit den Geschehnissen in den Anfangstagen des deutsch-sowjetischen Krieges von 1941.

Noch einige weitere Bemerkungen zu dieser Novelle

Karl Springenschmid*) kommt in dieser Novelle auf die Kupferstich-Sammlung der Albertina in Wien (Wiki) zu sprechen. Und er kommt noch ein zweites mal auf diese zu sprechen in seinem Roman "Das unerreichbare Herz" von 1949 (13).

In beiden Werken ist eine der Hauptfiguren Mitarbeiter dieser Kupferstich-Sammlung. Und dadurch ist es dem Autor ermöglicht, in beiden Werken über Handzeichnungen von Albrecht Dürer sprechen zu können und ihnen jene besondere Bedeutung zu zusprechen, die er ihnen in diesen Werken zuspricht, insbesondere auch den Selbstbildnissen Dürers (Wiki).

Abb. 6: Karl Springenschmid war selbst Soldat - Hier ganz rechts 1942 auf dem Fliegerhorst Höibugten in Karelien (ganz links General Dietl) (aus 2, S. 91)

Einen sehr persönlichen Bezug in die gedankliche Welt der Kunsthistoriker und zu all den von ihm aufgegriffenen Themen hatte Karl Springenschmid in der Person seines Salzburger Schulfreundes, bei dem es sich nun um niemand geringeren handelte als jenen oben schon erwähnten Kunsthistoriker Kajetan Mühlmann, der aus Salzburg stammte. Dieser und seine Erfahrungen und Erzählungen scheinen dem Schriftsteller nicht nur die Anregung gegeben haben zur Novelle "Das wiedergefundene Antlitz", sondern auch zu mancherlei anderen Inhalten seiner Werke. Noch in dem entzückenden Roman "Signorina N.N." von 1958, der in Florenz spielt, ist eine der Hauptfiguren Kunststudent.

Springenschmid "erhöhte" in seinen Novellen und Romanen gerne die Wirklichkeit durch die Kunst, bzw. gab er der von ihm dargestellten Wirklichkeit durch die Kunst eine höhere Bedeutung, eine höhere Weihe. 

Noch einmal zum Inhalt der Novelle "Das wiedergefundene Antlitz": In den Anfangstagen des deutsch-sowjetischen Krieges hat der Kunsthistoriker "Helmut Frobenius" (das Alter Ego des Kajetan Mühlmann) aus Wien den Auftrag, mit den ersten deutschen Panzern in Lemberg einzudringen, um dort das Selbstbildnis von Albrecht Dürer in der Ossolinski-Bibliothek in Lemberg sicherzustellen.

Der ukrainische Kunstprofessor "Leonyd Lischenko" seiner Novelle ist ebenso erfunden wie auch die polnische Kunsthistorikerin "Vera Starkowna" der Novelle. "Leonyd Lischenko" steht für den polnischen Kunsthistoriker Mieczysław Gębarowicz, wofür die "Vera Starkowna" steht, wäre noch zu erforschen.

In dem Buch "Servus Heiner" erwähnt Springenschmid einen "Kai Mühlmann" als 15-jährigen Schulkamerad von Springenschmid und Waggerl auf der Salzburger Lehrerbildungsanstalt im Jahr 1912 (14, S. 10):

Wenn uns die Professoren allzu heftig mit dem Peloponnesischen Krieg, der Heronischen Formel oder schwierigen Satzgliederungen plagten, flüchteten wir in einen geheimnisvollen Winkel des weitläufigen Gebäudes. Hier führte Waggerl das Wort. Wir anderen, vor allem Kai Mühlmann, ein ähnlicher Sturmgeist wie Waggerl, wollten hier vor allem den Ärger mit der Schule los werden und zogen wütend auf die Professoren los. Doch Waggerl winkte ab. Ihm ging es nicht um das, was an dieser Schule geschah, ihn erfüllten andere Gedanken. ...

Waggerl las seinen Kameraden statt dessen aus "Sprüche und Widersprüche" von Karl Kraus vor. Mühlmann saß noch 1944 gerne mit seinen Freunden Waggerl und Springenschmid in einem bekannten Salzburger Künstlercafé. Springenschmid berichtet, wie der von der Gestapo abgehörte Gesprächsinhalt an den Salzburger Gauleiter weitergeleitet wurde, der wiederum derenthalben Springenschmid vorlud, da seine Freundschaft zu Waggerl bekannt war. Im Spitzelbericht stand (14, S. 76):

"Café Bazar 13. Oktober 1944 Uhrzeit: 21 Uhr 20. Anwesend am mittleren Kaffehaustisch, Karl Heinrich Waggerl, Kai Mühlmann, Dr. Josef Mühlmann, ferner zwei Frauen und drei weitere Männer, deren Persönlichkeit bisher nicht festgestellt werden konnte."
Und die - im Nachhinein betrachtet harmlose - kritisierte Aussage von Waggerl soll gelautet haben:
"Solange nicht alle politischen und militärischen Stellen im sogenannten Großdeutschen Reich von Österreichern besetzt werden, wird alles schief gehen!"

Jedenfalls scheinen solche Gespräche mit Kajetan Mühlmann wie in diesem Cafehaus in Salzburg Karl Springenschmid auch zu einer seiner bedeutenden Novellen angeregt haben, nämlich zu "Das wiedergefundene Antlitz" (1). 

Es handelt sich um ein merkwürdiges Stück Literatur. Ohne das Wissen um all die vorgenannten Sachverhalte möchte die Novelle beim Lesen auf den ersten Seiten ständig beiseite legen und sich sagen, daß dieses Büchlein nicht zu den gelungensten Werken von Springenschmid gehört. Wie kann man denn ständig so "Larifari" und oberflächlich-"nebensächlich" über Ereignisse in den Anfangstagen des deutsch-sowjetischen Krieges im Juni 1941 schreiben?

Nimmt man das Büchlein trotz Verärgerung oder Verstimmung nach einiger Zeit noch einmal in die Hand und liest weiter, dann muß man sich gut zureden: Dieser Springenschmid war sowohl im Ersten wie am Zweiten Weltkrieg Soldat. Wenn er eine Novelle in dieser Weise schreibt, muß er das bewußt so tun und nicht aus Unfähigkeit.

Trotzdem: Über weite Strecken liest sich diese Novelle wie eine "Schwejkiade", wie eine Antikriegs-Novelle. Aber selbst diese Einordnung will noch nicht wirklich passen. Ist es denn möglich, mit einem so geradezu anzüglichen Ton über einen Krieg zu schreiben, einen modernen? Soll damit dem Zynismus oder der Gedankenlosigkeit des deutschen "Landsers" des Jahres 1941 ein - "Denkmal" gesetzt werden?

Im letzten Drittel der Novelle beginnt sich der Hintergrund der seltsamen Widersprüchlichkeit, in die das Herz des Lesers beim Lesen gezogen wird, ein wenig zu lichten. 

Offenbar geht es darum: Diesen aufwühlenden, ja, abgründigen Zwiespalt darzustellen: Erstens Krieg, entsetzlichste Verzerrung alles Menschlichen einerseits, zweitens banales, flapsiges Landser-Idyll und zum Dritten - - - Kunst, das Ewige, das Gültige, Menschliche. In der Springenschmid-Biographie von 1987 von Seiten eines Enkelsohnes von Karl Springenschmid heißt es (2, S. 95):

"Das wiedergefundene Antlitz", eine 1944 (1944?) entstandene Novelle, sticht völlig aus der übrigen Kriegsliteratur von Springenschmid heraus. Diese meisterliche Novelle gehört zu seinen besten Werken, ja, zum Besten was Springs überhaupt je geschrieben hat. Diese Novelle gibt allerhand Rätsel auf. Wieso unterscheidet sie sich in der Sprache und in der Diktion so dermaßen von seinen anderen Werken dieser Zeit? So manche Novelle hatte Springs meist rasch vollendet und in zwei, drei Wochen Fronturlaub seiner Gattin diktiert. Entweder entstand die Novelle doch erst nach 1945, oder einfach in einer Sternstunde seiner Erzählkunst.

Man möchte meinen, daß "Das wiedergefundene Antlitz" der genau angemessene "Vorläufer" ist für die späteren, so erschütternden Romane "Das unerreichbare Herz" (1949), "Novè" (1951) und "Das goldene Medaillon" (1953). Die tiefe Erschütterung, die die Novelle beim Leser erzeugt, deutet auf genau denselben Gehalt wie in den drei Romanen, die folgten.

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*) Karl Springenschmid (1897-1981) (Metapedia, Wiki, Salzburg-Wiki) 

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  1. Springenschmid, Karl: Das wiedergefundene Antlitz. (Verfaßt 1944) Erstveröffentlichung 1955, Arndt-Verlag, Vaterstetten 1971 (124 S.)
  2. Laserer, Wolfgang: Karl Springenschmid. Leben, Werke, Fotos, Dokumente. Biographie. H. Weishaupt Verlag, Graz 1987
  3. Reilinger, Henry Scipio: An Unknown Collection of Dürer Drawings. In: The Burlington Magazine for Connoisseurs, Vol. 50, No. 288, March 1927 (BurlMag)
  4. Winkler, Friedrich (Hrsg.): Zeichnungen von Albrecht Dürer in Nachbildungen. Grote, Berlin 1927 [Schriftenreihe "Zeichnungen von Albrecht Dürer in Nachbildungen" 6, begründ. von Friedrich Lippmann]
  5. Mieczysław Gębarowicz: Albrecht Dürers Zeichnungen im Lubomirski-Museum in Lemberg. Hrsg. von M. Gebarowicz und Hans Tietze. A. Schroll & Co., Wien 1929 (WikiC)
  6. Selbstbildnis mit linker Hand und Kissen, 1493, bearb. von Ehrl, Franziska, in: duerer.online. Virtuelles Forschungsnetzwerk Albrecht Dürer, Heidelberg: arthistoricum.net. DOI (abgerufen am 19.08.2026) (UniHeidlbg)
  7. Martin Bailey: Hitler, the prince and the Dürers: The complex story of Lviv's looted Old Master works, 31 March 1995 (TheArtNews1995)
  8. Martin Bailey: The Lviv Dürer story continues. Restitution claims for the Lubomirski and Ossolinski collections are complicated by the history of Lviv’s occupiers, 31 August 1998 (TheArtNews1998)
  9. Martin Bailey: Top Museums Face Claims For Dürers. Jan 08, 2002 (Forbes 2002)
  10. Günther Haase: Kunstraub und Kunstschutz. Band I: Eine Dokumentation. Books on Demand; Auflage: 1 (12. Juni 2008), (568 Seiten) (GB2008)
  11. Stefan Alker, Christina Köstner, Markus Stumpf: Bibliotheken in der NS-Zeit. Provenienzforschung und Bibliotheksgeschichte. V&R Unipress, 1., Aufl., (1. Januar 2008) (GB2008)
  12. Gnauck, Gerhard: Dürer als Beute. Polen kämpft um die Rückgabe von 26 Zeichnungen, die nach dem Krieg in alle Welt verstreut wurden. In: Die Welt 21.03.2002 (Welt2002)
  13. Bading, Ingo: "Das unerreichbare Herz" (1949). Der erste Nachkriegsroman von Karl Springenschmid. Gesellschaftl. Aufbr. jetzt!, 9.9.2014 (GAj2014)
  14. Springenschmid, Karl: "Servus Heiner!" Erinnerungen an Karl Heinrich Waggerl. Rudolf Schneider Verlag, München 1979