Dienstag, 1. Mai 1979

1979 - Die Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule" wird gegründet

Die Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule" wird im Mai 1979 von Dr. Werner Preisinger (1905-1986) begründet. Das Selbstverständnis der vorliegenden digitalen Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule" ist sehr stark geprägt von und orientiert an den Inhalten und Anliegen dieser Zeitschrift. Darum sollen auch einige Beiträge zur Geschichte dieser Zeitschrift hier eingestellt werden. Dabei sollen zum Teil auch bislang unveröffentlichte Zeugnisse zugänglich gemacht werden.

Die Wahl des Namens der Zeitschrift erfolgte durch Werner Preisinger. Er hatte wohl schon vor oder während seiner engen Zusammenarbeit mit Mathilde Ludendorff von 1956 bis 1958 in Tutzing Pläne gehabt, in seiner Arbeit den Volkshochschul-Gedanken weiter zu verfolgen. Das lag für ihn als Lehrer auch sehr nahe. Der Schwiegersohn von Mathilde Ludendorff, der Verleger Franz von Bebenburg, berichtet über die Reaktion von Mathilde Ludendorff auf die Pläne ihres Mitarbeiters Preisinger (1, 138f):
Sie verneinte die Notwendigkeit einer Volkshochschule keineswegs, hielt aber die Gründung einer "Hochschule für Gotterkenntnis" für dringlicher.
Abb. 1: Sammelmappe für die ersten 20 Folgen
der Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule"
Zur gleichen Zeit war übrigens die Zeitschrift "Forschungsfragen unserer Zeit" von Bernhard Kummer begründet worden, die ebenfalls einen wissenschaftlichen Anspruch verfolgte, sich aber nicht im engeren Sinne mit der Philosophie von Mathilde Ludendorff identifizierte.

Zu Ostern 1955 wurde also die "Hochschule für Gotterkenntnis" gegründet (2). Die ersten alljährlichen Tagungen derselben fanden unter der Leitung von Mathilde Ludendorff statt. Dabei wies immer wieder auf die Notwendigkeit hin, daß diese Hochschule auch nach ihrem Tod weiter geführt werden müsse und sie versuchte Wege aufzuzeigen, wie dies geschehen solle.

Vermutlich fühlte sich Werner Preisinger dem anspruchvollen Gedanken einer "Hochschule" nicht gewachsen. Er verfolgte darum ab 1979 (13 Jahre nach dem Tod von Mathilde Ludendorff) wieder seinen früheren Gedanken einer "Volkshochschule" weiter. Wie wir noch sehen werden, bekam die Zeitschrift aber ab 1988 durch die Mitarbeit von Gerold Adam (1933-1996), der vormals auch für "Forschungsfragen unserer Zeit" gearbeitet hatte, dennoch das Niveau einer "Hochschule". Um diese beiden Pole - "Hochschule" und "Volkshochschule" kreisen jedenfalls die Inhalte dieser Zeitschrift.

Es sei in diesem Zusammenhang auch daran erinnert, daß der seit 1844 in Dänemark und seit 1879 in Deutschland verwirklichte fortschrittliche "Volkshochschul"-Gedanke (Wiki) natürlich selbstverständlicher Weise beinhaltet, daß man sich wünscht, daß hunderte, nein, tausende von eigenen, selbständigen Volkshochschulen im Sinne der eigenen Gründung im Lande aus dem Boden sprießen, daß es solche in jeder Gemeinde, in jedem Landkreis im Land gibt (Wiki), daß der Gedanke also fruchtbar werde. Werner Preisinger kann seine Gründung keinesfalls mit der Erwartung oder Hoffnung verbunden haben, daß es künftig nur eine "Deutsche Volkshochschule" in Deutschland geben solle. Nein, so viele wie möglich. Und in diesem Sinne knüpfen wir auch hier auf dem Blog an die bisher nur in Papierform erschienene Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule" an - in völliger Selbständigkeit und Unabhängigkeit und in der sicheren Erwartung, daß es niemanden gibt, der glaubt, es müsse einen Alleinvertretungsanspruch für die Fortführung eines solchen Zeitschriften-Projektes wie der "Deutschen Volkshochschule" im Sinne der Gründung von Werner Preisinger geben. - - - In der Bekanntmachung zu ihrem Erscheinen führte Werner Preisinger 1979 aus:
Die Deutsche Volkshochschule will Kenntnisse der Natur- und Geisteswissenschaften vermitteln, soweit sie zu der von Mathilde Ludendorff gegebenen Philosophie in Beziehung stehen; deshalb werden Auswahl und Bewertung des zu vermittelnden Wissens durch diese Philosophie bestimmt und Einklang oder Gegensatz zu ihr dargestellt. Diesem Ziele zu dienen, finden Tagungen der Deutschen Volkshochschule statt. Mit dem vorliegenden Heft kommen wir einem immer wieder geäußerten Wunsch der Tagungsteilnehmer entgegen, die Vorlesungen der Deutschen Volkshochschule gedruckt herauszugeben, um dadurch die Wirkung der Vorlesungen zu vertiefen, den Lehrkräften der Lebenskunde das philosophische Rüstzeug für den Unterricht zu geben und auch andere Menschen, vor allem Studierende, anzusprechen und damit die Gotterkenntnis Ludendorff in Verbindung mit den modernen Ergebnissen der Wissenschaft in Neuland zu tragen. 
Im Vorstellungstext, der auf der ersten Innenseite jeder Folge erschien, wurde ausgeführt:
Die Deutsche Volkshochschule
tritt ein für Lebenserhaltung, für Volkserhaltung, für Gotterkenntnis Ludendorff.
Gewiß, Lebenserhaltung und Volkserhaltung werden von anderen auch vertreten, aber die Deutsche Volkshochschule geht dabei einen eigenen Weg, der von anderen nicht beschritten wird.
Nicht politische Stellungnahme ist unsere Aufgabe. Wir werden vielmehr alle Fragen unter dem einheitlichen Gesichtspunkt der von Mathilde Ludendorff gegebenen Philosophie betrachten, denn diese Philosophie zeigt den Sinn des Menschenlebens, zeigt Sinn und Gesetz des Völkerlebens.
Das Erfüllen des Lebenssinnes hat selbstverständlich die Erhaltung des Lebens auf unserer Erde zur Voraussetzung, aber auch die Erhaltung aller Völker in ihrer Eigenart, also auch die Erhaltung unseres deutschen Volkes.
Lebenserhaltung und Volkserhaltung können letztlich nur erfüllt und gesichert werden, wenn ihr Sinn und Gesetz erkannt sind.
Lebenserhaltung und Volkserhaltung sind Voraussetzung für die Erhaltung des Göttlichen unter den Menschen. Deshalb ist die von Mathilde Ludendorff gegebene "Gotterkenntnis" die Grundlage all unseres Bemühens.
In der ersten Folge der Zeitschrift „Die Deutsche Volkshochschule“ kündigt Werner Preisinger an, sich mit dem modernen Darwinismus auseinandersetzen zu wollen. Es wird die klassische Lehre des Neodarwinismus dargestellt und ihm werden naturwissenschaftliche Einwände und Kritiken gegenübergestellt. Schon auf Seite 13 zitiert Preisinger zum ersten mal aus Susumu Ohno „Evolution by Gene Duplication“ (1970), ein für damalige Zeiten - und noch heute - sehr fortschrittliches Werk, das eine fundamentale Kritik am Neodarwinismus enthält.

In der Folge 2 wird zusätzlich zu vielen anderen Büchern über Evolution auch Hoimar von Ditfurth's „Im Anfang war der Wasserstoff“ (1972) angeführt. In Folge 3 werden dann Inhalte der Bücher des Biologen Adolf Portmann referiert: „Entläßt die Natur den Menschen?“ (1970) und „An den Grenzen des Wissens“ (1974). Auch Inhalte von Konrad Lorenz „Das sogenannte Böse“ (1971) sind Thema. Den Meinungen dieser Forscher wird schließlich die Aussage der Philosophie von Mathilde Ludendorff gegenübergestellt. Folge 4 behandelt dann ausführlich Jaques Monod's damals viel erörtertes Buch „Zufall und Notwendigkeit“. In der Vorankündigung zum Erscheinen heißt es:
Folge 4 macht mit dem Werk des französischen Forschers Jacques Monod bekannt und erläutert die Auffassung Mathilde Ludendorffs über „das sinnvolle Maß der Kausalität“. Folge 5 zeigt das von Mathilde Ludendorff erkannte Schöpfungsziel und setzt dagegen abweichende Auffassungen führender Naturwissenschaftler, vor allem in der Frage der Kausalität und der Finalität.
In der Folge 6 von „Die Deutsche Volkshochschule“ aus dem Jahr 1980 wird das Schriftbild schon professioneller. Es ist nun nicht mehr einfach nur mit Schreibmaschine geschrieben. Von dieser Folge ab wird auch immer einmal wieder Leserstimmen Raum gegeben und es wird auf sie geantwortet. Auch kommen allmählich andere Themen außer Evolution hinzu. Etwa Auseinandersetzungen mit der christlichen Religion. Zur Hauptthematik Evolution werden nun auch Otto H. Schindewolf's „Grundlagen der Paläontologie“ (1950) angeführt, sowie Max Hartmann's „Die philosophischen Grundlagen der Naturwissenschaften“ (1959). Die Ansichten Schindewolf's werden in Folge 7 weiter dargelegt. Nun auch mit Verweisen auf den Schüler Schindewolf's, nämlich Heinrich K. Erben („Die Entwicklung der Lebewesen“ [1975]).

Während des Jahres 1981 werden immer häufiger auch andere Themen außer Evolution in der Zeitschrift „Die Deutsche Volkshochschule“ behandelt. Die ganze Folge 19 vom März 1982 beschäftigt sich mit den Lebenserinnerungen und dem Leben Mathilde Ludendorffs. Dies wird in den Folgen 20 und 21 vom Mai und Juli 1982 fortgesetzt.

1982 - Geplante Mitarbeit von Gerold Adam


Abb. 2: Gerold Adam, 1994
Im Nachlaß von Gerold Adam findet sich ein handschriftlich mit Bleistift beschriebenes Blatt, betitelt „Gliederung zu: Die Evolution aus der Sicht der Naturwissenschaft und der Philosophie“. Es handelt sich also hier schon um den gleichen Titel, unter dem Gerold Adam dann ab 1989 (unter dem Namen Hermin Leupold) Aufsätze in der Zeitschrift „Die Deutsche Volkshochschule“ erscheinen ließ. Im folgenden die damals von ihm geplante Gliederung:
1. Einführung: - Synergetik
- Philosophie → Schöpfungsgeschichte
2. Das Wesentliche der philosophischen Aussage
2.1. Aussagen:
a) zur Natur
b) Kultur
c) Kulturpflege
d) eigene Lebensgestaltung
2.2. Wege zur Erkenntnis:
a) Vernunft Deduktion
b) Intuition
2.3. Inhalt der Aussagen
a) Lebenssinn
b) Seelenlehre
c) Kulturphilosophie
d) Entwicklungsgeschichte
e) Schlußfolgerung: Ziel der Schöpfung Bewusstsein
3. Schöpfungsgeschichte
3.1. Bis einschließlich flüssige Kristalle ohne Mikrofossilien
3.2. Vielzeller
3.3. Proteinevolution, Genduplikation
Hier schon ist erkennbar, daß das vereinheitlichende Prinzip seiner Ausführungen die Synergetik (des Physikers Hermann Haken) sein sollte. In parallelen „Notizen zu Ditfurth's 'Wir sind nicht nur von dieser Welt'“ schrieb Gerold unter anderem in ähnlichem Sinne:
Prigogine: Evolutionsbegriff auch grundlegend für Physik
Ilya Prigogine hat parallel zu Hermann Haken an ähnlichen Themen gearbeitet. Auch aus den genannten Unterpunkten der damaligen Gliederung wird ersichtlich, daß dies noch eine etwas andere Gliederung war, als jene, an die er sich dann sieben Jahre später gehalten hat. Er hat dann viel mehr noch zwei weitere Aufsatzreihen begonnen, nämlich (ab Januar 1994) „Die stammesgeschichtliche Entstehung des Menschen aus der Sicht der Naturwissenschaft und der Philosophie“ und (ab März 1995) „Fragestellungen, Methoden und Aussagen der Philosophie“. In dieser Gliederung von 1982 ist der naturwissenschaftliche Teil noch vergleichsweise summarisch behandelt und wird die Humanevolution noch gar nicht erwähnt.

Der größte Teil der nachmals von Gerold zitierten wissenschaftlichen Literatur - zum Beispiel zu „Die stammesgeschichtlichen Wurzeln des menschlichen Schönheitserlebens“ - stammt auch erst aus den 1990er Jahren. Auch beispielsweise die Soziobiologie hat ja erst nach 1982 ihren Aufschwung genommen, einen Aufschwung, den Gerold - wie auch sein Nachlaß bezeugt - mit dem Kopieren von vielen Aufsätzen verfolgte, aber den er bis 1996 gar nicht mehr aufarbeiten konnte. Gleich geblieben ist in der verwirklichten Fassung, daß die Synergetik gleich am Anfang und recht ausführlich behandelt wird. Unter diese Gliederung ist dann mit Kugelschreiber notiert:

Gespräch mit Preisinger am 2.5.82, 11.30
Vereinbarung: Meine Ausführungen als Beilage von je 16 - 20 Seiten
Für das Juliheft noch nicht vorzusehen
Ich werde die ca 3 Beilagen bis einschließlich flüssige Kristalle bis Herbst schicken. Abriß der Philosophie schon eher zur kritischen Durchsicht des Schriftleiters.
Großzügige Bildausstattung ist möglich.
Es ist von Gerold Adam gelegentlich erzählt worden, daß ihm Werner Preisinger damals sagte, daß ihm die naturwissenschaftlichen Themen ausgehen würden, und daß er allmählich zu anderen, allgemeineren Themen würde übergehen müssen, wenn er, Gerold, keine Aufsätze einreichen würde. Gerold konnte die hier getroffene Vereinbarung dann - aus welchen Gründen auch immer, vermutlich beruflichen - doch nicht einhalten. Es geschah das dann erst sieben Jahre später, ab 1989 bis 1996, also drei bis zehn Jahre nach dem Tod von Werner Preisinger.

Abb. 2: Todesanzeige für Werner Preisinger

In der Jahren von 1983 bis 1988 war die inhaltliche Themenstellung der Zeitschrift dann schwerpunktmäßig philosophisch, geschichtlich und kulturgeschichtlich und nicht mehr naturwissenschaftlich. Ab der Folge 24 vom Januar 1983 erschienen die Aufsätze im Frakturdruck. Es gibt nun auch wechselnde Titelbilder. Die Folge 25 vom März 1983 behandelt beispielsweise „Gedanken zum Osterfest“. Die Folge 29 vom November 1983 bringt beispielsweise einen Aufsatz zum Thema „Die Friedensbewegung und Mathilde Ludendorff“. Und so wurden noch viele andere, allgemeinere Themen behandelt.

1986 - Generationenwechsel


Werner Preisinger starb im Februar 1986. In der Grabrede, die im Namen des Vereins "Die Deutsche Volkshochschule" gehalten wurde, wurde unter anderem gesagt (3):
Werner Preisinger war im tiefsten angerührt, ja bestürzt über die Verworrenheit und Haltlosigkeit der Menschen unserer Zeit, über das weitverbreitete Unvermögen, mit sicherer Selbstverständlichkeit in Fragen der Erhaltung unserer Lebenswelt, der Erhaltung und Gestaltung unserer Lebensgemeinschaften wie Familie und Volk richtig zu sehen und zu handeln. Er war tief betroffen von dem sich aus solchem Unvermögen ergebenden Kulturverlust, dem Verlust oder sogar Schwinden des Göttlichen aus unserer Lebenswelt.
Lange und eingehend hat er bedacht, wie dieser Entwicklung entgegenzutreten sei. Und er kam zu dem Ergebnis, daß der Sinn des Menschenlebens wie auch Sinn und Gesetz des Lebens der Völker von der Philosophie Mathilde Ludendorffs richtig aufgezeigt wird. Um der Verworrenheit und Haltlosigkeit unserer Zeit zu steuern, will daher die Deutsche Volkshochschule das Volk mit klaren weltanschaulichen Gedanken durchdringen, wie sie in den Werken der Religionsphilosophie Dr. Mathilde Ludendorffs niedergelegt sind.
Und abschließend:
So herb daher der Verlust durch seinen Tod ist, ebenso stark wirkt sein Vorbild als Maßstab, an dem wir unseren Einsatz zu messen haben, in dem Bemühen, sein Werk fortzusetzen.
Nach dem Tod von Werner Preisinger hat zunächst Kurt von Zydowitz die Schriftleitung der Zeitschrift übernommen. Kurt von Zydowitz gehörte der gleichen Generation an wie Werner Preisinger und hatte unter anderem das wertvolle dreiteilige Werk "Glaubensumbruch - Ein Verhängnis" herausgebracht. Dieses behandelte sehr gründlich die Geschichte der Christianisierung der mitteleuropäischen Stämme und Völker im Früh- und Hochmittelalter. Kurt von Zydowitz brachte auch noch ein Sonderheft der Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule" heraus benannt "Auf der Suche nach Gott" (s. Archive.org). Noch im selben Jahr, im Oktober 1986, starb auch er.

Abschließend soll hier ein Umstand nicht übergangen werden. Nämlich daß naturwissenschaftliche Themen mit Bezug zur Philosophie von Mathilde Ludendorff auch an anderen Orten Behandlung gefunden haben. Dazu liegen auch schon Überblicks-Darstellungen vor (4, 5). Diese zeigen jedoch auf, daß bezüglich dieses Themenbereiches mit der Gründung der Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule" eine völlig neue Phase der Auseinandersetzung eingeleitet worden war.


/Dieser Beitrag wurde zuerst 
veröffentlicht am 25.3.2017
ergänzt: 16. und 19.6.17/
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  1. von Bebenburg, Franz: Mathilde Ludendorffs letzter Lebensabschnitt. In: Festschrift für Franz Freiherrn Karg von Bebenburg. Verlag Hohe Warte, Pähl 2000, S. 119-144
  2. Ludendorff, Mathilde: Vorträge zur Hochschulwoche 1955 für Gotterkenntnis (L). Verlag Hohe Warte, Pähl 1955
  3. Abschied von Dr. Werner Preisinger. In: Die Deutsche Volkshochschule (Schriftleiter Dr. Kurt von Zydowitz), Folge 43, Mai 1986, S. 1-15, hier S. 7
  4. Bading, Ingo: Die Behandlung naturwissenschaftlicher Fragen in der Zeitschrift „Mensch und Maß“ seit 1961. Ein Beitrag zur Rezeptionsgeschichte der Philosophie von Mathilde Ludendorff. Unveröffentlichtes Buchmanuskript, 168 Seiten, erarbeitet 2014
  5. Bading, Ingo: Erörterungen rund um naturwissenschaftliche Fragen in der Ludendorff-Bewegung 1941 bis 1961. Unveröffentlichtes Buchmanuskript, 147 Seiten, erarbeitet 2015

Montag, 1. Januar 1979

Eine neue digitale Zeitschrift

Das Anliegen

Die digitale Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule" wurde im März 2016 gegründet.

Abb. 1: Hermin Leupold - Die Evolution
aus der Sicht der Naturwissenschaft
und der Philosophie (1989-1996)
Ihr Selbstverständnis ist sehr stark orientiert an den Inhalten und Anliegen der gleichnamigen Zeitschrift, die im Jahr 1979 von Werner Preisinger (1905-1986) gegründet worden ist (s. FuerKultur), von der grundlegende Beiträge schon 2001 in einem Sammelband (1) (Abb. 1), und von der seit 1979 bis heute insgesamt über 150 Folgen erschienen sind (Abb. 2), die aber bislang noch keine eigene Internetpräsenz hat.

In der vorliegenden digitalen Zeitschrift, die in völliger Unabhängigkeit und Selbständigkeit gegenüber der Papier-Ausgabe der Zeitschrift gestaltet wird, sollen einerseits neue Aufsätze und Beiträge erscheinen. Es soll andererseits aber auch die bisherige Geschichte dieser Zeitschrift in wichtigeren Auszügen dokumentiert werden.

Auch werden ältere Aufsätze, die verstreut in anderen Zeitschriften und Blogs erschienen sind, aber gut zu den Anliegen der "Deutschen Volkhochschule" passen, hier noch einmal zugänglich gemacht, um an diesem Ort eine Bündelung wesentlich erscheinender Themen zu erreichen. Diese älteren Aufsätze werden -  ebenso wie die auszughafte Dokumentation der Geschichte der Papier-Zeitschrift - mit dem Datum eingestellt, mit dem sie erstmals erschienen sind. So spiegelt sich in dieser digitalen Zeitschrift gewissermaßen auch die Chronologie früherer Aktivitäten. Man kann in ihr dementsprechend "zurück" "blättern".

Warum in Frakturschrift?


Nun aber soll noch etwas zu dem Umstand gesagt werden, daß diese digitale Zeitschrift - so wie auch die genannte Papier-Zeitschrift - in Frakturschrift erscheinen. //Die Frakturschrift dieser digitalen Zeitschrift übrigens kann derzeit nur in normalen PC-Browsern gelesen werden, Tablets und Mobiltelefone bilden sie noch nicht ab.//

Zur technischen Seite der Verwendung der Frakturschrift läßt sich sagen, daß das in einem ersten Schritt vergleichsweise leicht umgesetzt werden kann. Denn dazu muß man nur die Anweisungen auf dem "Fraktur-Forum" (2) befolgen. Allen Fachleuten, "Schriftgelehrten" und Schriftsetzern ist aber klar, daß eine automatische Eins-zu-Eins-Umwandlung von Antiqua-Schrift zu Frakturschrift dem Charakter der überlieferten deutschen gebrochenen Schriften, bzw. Frakturschriften nicht gerecht wird. Denn die deutschen Frakturschriften kennen viele Typen, die es in der Antiquaschrift gar nicht gibt. So vor allem das lange s, jeweils eine einzelne Drucktype für sch, ch, ck und so weiter. Und diese Typen kommen bei der derzeit stattfindenden Eins-zu-Ein-Umwandlung gar nicht in Verwendung. Dieses Problem muß einstweilen hier in der digitalen Zeitschrift als ungelöst erachtet werden (s.a. 8).

Wir müssen hier abwarten, was die technische Weiterentwicklung in der Zukunft bringt. Irgendeinen Anfang wollten wir aber doch endlich einmal machen. Außerdem: Es macht ja dennoch Freude, auch moderne, aktuelle Texte in einer solchen Frakturschrift zu lesen. Ob es Ihnen, lieber Leser, nicht genauso geht? Das Einlesen ist doch gar nicht so schwer. Und es ist für denjenigen schon gar nicht schwer, der sowieso - auch sonst - einmal "alte Bücher" liest. Also deutschsprachige Bücher aus der Zeit vor 1941, in der die große Mehrheit aller Bücher in Fraktur und in gebrochenen Schriften gesetzt worden sind. Mag er diese nun in Papierform lesen oder - wie neuerdings überraschenderweise möglich - auch auf dem Tablet (über Google Play Bücher) (s. GA-j!, 24.10.16).

Aber warum überhaupt noch heute einen Internetblog, eine digitale Zeitschrift in Frakturschrift erscheinen lassen?

Abb. 2: Die Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule" ist seit 1979 in über 150 Folgen erschienen 

Seit dem 17. Juli 2017 ist diese Frage leichter zu beantworten als zuvor, da erschien nämlich in der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft" ein Artikel mit der Überschrift "Wie Schrift unsere Art zu denken ändert" (7). Und dieser Artikel wurde sinnigerweise auf Google Plus unter Psychologie-Interessierten gleich weiter geteilt mit einer Abbildung zur deutschen Schreibschrift (Privatpraxis im Park). Hirnforscher untersuchen nach diesem Artikel derzeit die Gehirnaktivitäten beim Lesen von Schriften und ob unterschiedliche Schriften vom Gehirn unterschiedlich verarbeitet werden (7):
"Anders als bisher angenommen werden beim Lesenlernen auch Hirnstrukturen verändert, die evolutionär gesehen uralt sind, fanden Falk Huettig und sein Leipziger Kollege Michael Skeide heraus: Zentren im Thalamus und sogar im Hirnstamm organisieren sich neu. In einer aktuellen Studie untersuchten sie in Indien aufgewachsene Probandinnen, während sie sich die heimische Schrift Devanagari aneigneten. Diese lasen umso besser, je mehr die evolutionsgeschichtlich alten Hirnareale ihre Signale synchronisierten."
Und weiter:
"Auch der Einfluß der verschiedenen Alphabete ist noch weitgehend ungeklärt. Das Devanagari-System mit dem lateinischen Alphabet gleichzusetzen, könnte in die Irre führen. Einen Hinweis, wie die verschiedenen Kodes das Gehirn verändern, fand das Team um Huettig in verstärkter Aktivität der Areale V3 und V4 der visuellen Hirnrinde. Unterschiedliche Schrift - unterschiedliche Gedanken?  So etwas war bisher eher von Lesekundigen, die Chinesisch beherrschen, bekannt. Während nämlich das lateinische Alphabet auf Lauten, so genannten Phonemen, basiert, baut die chinesische Sprache auf Silben und ganzen Wörtern auf - Devanagari befindet sich als silbenbasierte Schrift dazwischen.

'Die Aktivität in den Hirnregionen hat wahrscheinlich damit zu tun, daß die Schriftzeichen viel komplexer sind und eher wie Objekte betrachtet werden', erklärt Huettig.  Daß Deutsche deswegen direkter und Chinesen abstrakter denken, läßt sich daraus aber nicht ableiten. Ein Team um Jay G. Rueckl von den Haskins Laboratories in New Haven untersuchte jüngst Sprachen mit hebräischer, lateinischer und chinesischer Schrift. Sein Ergebnis: Die neuronale Aktivität ist bei Lesern aller Systeme sehr ähnlich. Allerdings mangelt es noch an aussagekräftigen Studien, die einen derartigen Vergleich wagen.  Es gibt also noch eine Menge zu erforschen (...). Falk Huettig blickt jedoch optimistisch in die Zukunft: 'Die Wissenschaft interessiert sich heute mehr und mehr dafür, wie unterschiedliche Alphabete und andere Kulturgüter das Gehirn und das menschliche Verhalten beeinflussen.'"
Schon 2010 war der Sinn der Verwendung der deutschen Frakturschrift erörtert worden von dem israelischen "Deutschland-Philosophen" Yoav Sapir auf den Scilogs (Wissenschaftsblogs) von "Spektrum der Wissenschaft" (3,4). Er erörterte das auch vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen im Umgang mit dem hebräischen Alphabet in Israel.

In der Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule" ist zu diesem Gegenstand zuletzt im Jahr 1990 ein sehr inhaltsreicher Aufsatz erschienen (5). Damit in Zusammenhang kam auch einmal erneut ein Aufsatz des deutschen Verlegers Eugen Diederichs zu dieser Frage aus dem Jahr 1912 zum Abdruck (6). In diesen beiden Aufsätzen sind viele gute Argumente zusammen getragen, auf die wir uns auch hier in der digitalen Zeitschrift beziehen, und die - in Kurzform - darauf hinauslaufen, daß die deutsche Frakturschrift, die in der Dürer-Zeit in Deutschland geschaffen worden ist und bis zum Verbot durch Adolf Hitler im Jahr 1941 immer benutzt worden ist, ein Ausdruck deutschen seelischen Erlebens ist. Und daß sie als solcher Ausdruck seelisches Erleben auch immer wieder neu weckt und wecken kann, wenn wir Worte in dieser deutschen Schrift lesen.

Wir wollen dieses wichtige Kulturgut deutsche Schrift - zumal wenn es wie hier in der Zeitschrift in zentraler Weise um Seele und um seelische Ansprechbarkeit geht - nicht der Vergessenheit anheim fallen lassen. Wir wollen der Frage nicht gleichgültig gegenüber stehen, über welche Schrift wir uns den Schätzen der Kultur zuwenden.

Soweit sei dies zunächst hier in Kurzform festgehalten. Ein ausführlicher Gedankengang und ausführlichere Begründungen, die auch die angedeuteten aktuellen Forschungen mit berücksichtigen, sollte dringend nachgereicht werden. Und wir bitten Leser, uns dabei zu unterstützen!

/Zuerst veröffentlicht 13.3.16, 
letzte Überarbeitungen:
25.3., 4.4., 25.7.17/
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  1. Leupold, Hermin (posthum): Philosophische Erkenntnis in ihrer Beziehung zur Naturwissenschaft. Aufsätze zur geschichtlichen Entwicklung der Erkenntnistheorie, zur Evolution des Weltalls und des Bewußtseins. Die Deutsche Volkshochschule, 23845 Bühnsdorf, 2001
  2. http://unifraktur.blogspot.de/2010/09/unifraktur-blog-in-frakturchrift.html, http://unifraktur.sourceforge.net/unifraktur-forum/viewtopic.php?p=258#p258 [14.9.2010]
  3. Sapir, Yoav: Sprache und Schrift - nicht zu überschätzen. Auf: Internetblog "Un/zugehörig - ein israelischer Blick auf Deutschland", 10. August 2010, http://www.scilogs.de/un-zugehoerig/sprache-und-schrift-nicht-zu-untersch-tzen/
  4. Sapir, Yoav: “Korrektes” Deutsch mit Antiquaschrift? Auf: Internetblog "Un/zugehörig - ein israelischer Blick auf Deutschland", 12. August 2010, http://www.scilogs.de/un-zugehoerig/korrektes-deutsch-mit-antiquaschrift/
  5. Schäfler, Wilhelm: Schrift und Sprache. In: Die Deutsche Volkshochschule, Folge 65, Januar 1990, S. 1-10
  6. Diederichs, Eugen: Sollen wir die Fraktur abschaffen? In: Jahrbuch des deutschen Werkbundes, 1912, http://www.digitalis.uni-koeln.de/Werkbund/werkbund65-75.pdf; erneut abgedruckt u.a. in: Die Deutsche Volkshochschule, Folge 65, Januar 1990, S. 12-15
  7. Landwehr, Tobias: Wie Schrift unsere Art zu denken ändert. In: Spektrum der Wissenschaft, 17. Juli 2017, http://www.spektrum.de/news/wie-schrift-unsere-art-zu-denken-aendert/1479833
  8. Zeidler, Ulrich: Ligafraktur.de; erläuternder Film: http://www.ligafaktur.de/Video.html

Impressum

Ingo Bading, M.A.
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16816 Neuruppin

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