Samstag, 28. November 2020

Werner Heisenberg privat

 Ein Filmdokument aus dem Jahr 1968

Auf unserem Videokanal haben wir uns in der letzten Woche mit Ausschnitten aus dem Leben des Begründers der Quantentheorie, mit Werner Heisenberg (1901-1976), beschäftigt, sowie mit dem damit verbundenen Denken auf den Gebieten von Wissenschaft, Philosophie und Ethik (1). Dies lies einmal erneut danach fragen, ob es in Videoform weitere Beiträge gäbe, die man als besonders geeignet ansehen und empfehlen könnte, sich dem Leben und Denken von Werner Heisenberg anzunähern. Überraschenderweise wurden wir fündig (2):

 


 
Für die Zugänglichmachung eines solchen 30-minütigen Filmdokumentes aus dem Jahr 1968, in dem Werner Heisenberg offenbar die volle Freiheit hat, das von ihm zur Darstellung zu bringen, was er darstellen möchte, darf man sehr dankbar sein. Denn die grundlegende Wende im menschlichen Denken, die mit der Quantenphysik in die Welt getreten ist - sie mag doch für Nichtphysiker schwer nachvollziehbar sein, insbesondere in ihrer Bedeutung für unser heutiges Weltverständnis.
 
Der tiefere Grund dafür mag sein, daß hier die strengste Rationalität - wie sie in der modernen Wissenschaft üblich ist - auf eine nicht mehr hintergehbare nichtrationale Seite der Wirklichkeit stößt. Während über die rationale Seite der Wissenschaft jeder Wissenschaftler ganz "nüchtern", ja, geradezu "plappernd" sprechen kann, ohne daß dabei ein Verlust allzu deutlich spürbar werden muß, wird es insbesondere dann auffällig, wenn Wissenschaftler "nur" rational über jene nichtrationale Seite der Wirklichkeit sprechen. Nämlich wenn sie - zum Beispiel - im Bereich der Quantentheorie auf diese wieder und wieder stoßen und sich dann - vielleicht ein wenig hohl - bemühen, diesen Umstand gar zu wortreich zu erläutern.
 
So bescheiden nun Werner Heisenberg im persönlichen Leben auftreten mag - wie man es in diesem Filmdokument (2) erleben kann - oder vielleicht gerade deshalb - ist er eben als Person und als der eigentliche Begründer der Quantenphysik dann doch nicht jemand, der "nur" rational über das spricht, was ihm das wesentlichste Anliegen seiner Wissenschaft ist. Fast meint man sagen zu wollen, Heisenberg wirke "schamhaft", wenn er über die tieferen Gehalte seiner Wissenschaft spricht. Seine Annäherung an das Nichtrationale ist jedenfalls immer wieder so behutsam, daß viele Menschen diese Annäherung gar nicht richtig wahrnehmen mögen.

Er spricht zum Beispiel einleitend - wie hier in diesem Filmdokument (2) - über die Musik. Wer nicht genau hinhört, bekommt gar nicht mit, daß diese Musik für ihn Ausdruck dessen ist, auf was er an Nichtrationalem in seiner Wissenschaft von der Quantenphysik ebenfalls gestoßen ist. Das ist doch eine philosophisch sehr grundlegende Aussage - oder Vermutung. Diese andeutende Vermutung ist hier geradezu versteckt in dem kleinen Nebensatz (2'00): "... Aber vielleicht ist da doch eine Verwandtschaft" - nämlich gemeint zwischen der Musik und der Natur. Über so etwas dürfte doch wohl nicht gar zu oberflächlich und schnell hinweg gegangen werden, wenn man es in der Auseinandersetzung mit der Quantentheorie ernst nehmen sollte.

Da von Werner Heisenberg derzeit nur ganz wenige Filmdokumente im Internet zugänglich sind, mag man ein solches Filmdokument als um so kostbarer erachten. Es ist erst seit einem Jahr im Internet zugänglich (2).

Von den zahlreichen Schülern von Werner Heisenberg und den zahlreichen und "Erklärern" der grundlegenden Wende im menschlichen Denken, die mit der Quantentheorie verbunden ist - es seien etwa Namen genannt wie: Hans-Peter Dürr, Carl-Friedrich von Weizsäcker, Ernst Peter Fischer - finden sich recht zahlreich Filmdokumente. Es mag jeder für sich entscheiden, ob all diese - als Menschen - jenen nichtrationalen Gehalt der Wissenschaft wirklich gelungen selbst verkörpern, über den sie dabei immer wieder zu sprechen versuchen. Oder wenigstens so wie man das bei Werner Heisenberg - aufgrund eines solchen Filmdokumentes (2) - ansatzweise erahnen mag.
 
Besonders schön ist vielleicht auch, daß an einer Stelle in dieser Filmdokumentation die Ehefrau von Werner Heisenberg zu Wort kommt. Durch sie wird vielleicht gleich viel deutlicher, von wie viel Innenleben das Leben von Werner Heisenberg getragen gewesen sein muß. Dazu ist schon in zwei anderen Beiträgen etwas gesagt worden (3, 4).
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  1. Bading, Ingo: Ausschnitte aus dem Leben und Denken von Werner Heisenberg - Nach seinem Buch "Der Teil und das Ganze", November 2020, https://youtu.be/J7qrbgVen8I, https://youtu.be/mhQSbOW1-RM, https://youtu.be/VUgV2VjQPDc, https://youtu.be/JSYKOsGmSZI.
  2. Egloff Schwaiger, Martin Posselt: Porträt Werner Heisenberg. Deutschland, 1968 (30 Minuten). Neu gesendet vom Bayerischen Rundfunk im Januar 2019 in der Reihe "alpha-retro" bei ARD-alpha. (Veröffentlicht auf dem Videokanal  "dete38".) 1. Teil: https://youtu.be/zio9r1lXL9Q, 2. Teil: https://youtu.be/kov2890PEHM.
  3. Bading, Ingo: Die Liebe, die Wissenschaft und Max Delbrück - Wie fühlt es sich an, wenn man einen genialen Wissenschaftler als Freund hat?,  3. Januar 2019, https://fuerkultur.blogspot.com/2019/01/max-delbruck-und-sein-sex-life.html.
  4. Bading, Ingo: Werner Heisenberg - Seine erste große unerfüllte Liebe - "Ich muß viel Glück haben, wenn aus meinem Leben noch etwas werden soll" (Februar 1936) ,10. Januar 2019, https://fuerkultur.blogspot.com/2019/01/werner-heisenberg-und-seine-liebe-zu.html.

Donnerstag, 12. November 2020

"Wenn junge Eltern sterben" - Eine Dokumentation

Eine Fernseh-Dokumentation, in der der Tod - unser aller Tod - einmal seine Würde zurück erhält

 

Vorschaubild zur Dokumentation

Sogar im "Mainstream"-Fernsehen ist diese Dokumentation gelaufen. Selten genug geschieht das.


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  1. Renate Werner: Das will ich dir noch sagen - Wenn junge Eltern sterben. WDR Doku, 09.07.2019, https://youtu.be/hRaNu4DdCco.