Dienstag, 6. September 2016

Lore Waldvogel spricht über Mathilde Ludendorff

Die naturwissenschaftsnahe Philosophin Mathilde Ludendorff in einem aktuellen Interview behandelt

Abb. 1: Rotes Waldvögelein
Fotograf: Thomas Huntke (Wiki)
Auf unserem politischen Parallelblog ist schon auf einen Aufsatz verwiesen worden, der im "Occidental Observer" über Mathilde Ludendorff erschienen ist (GA-j!, 16.05.2016). Er stammte aus der Feder von Lore Waldvogel, einer promovierten Literatur- und Religionswissenschaftlerin.

Von dieser Lore Waldvogel ist nun auch ein vierzig Minuten langes Gespräch veröffentlicht worden, in dem sie über Mathilde Ludendorff befragt wird (Yt.).

Man ist sehr überrascht, wie durchdacht, grundlegend und zugleich gegenwartsnah sich die Teilnehmer in diesem Gespräch äußern. Das Gespräch ist der Teil 4 des Podcast (00:32:41 bis 01:12:18), betitelt "Völkischer Feminismus - Lore Waldvogel im Gespräch über Mathilde Ludendorff".

Dem Gespräch ist unter anderem zu entnehmen: Lore Waldvogel liest in den Lebenserinnerungen von Mathilde Ludendorff Dinge, die auch jene, die schon einmal einen Blick in sie geworfen haben sollten, dort noch nicht entdeckt haben werden. Zum Beispiel dass Mathilde Ludendorff an der Charite in Berlin Medizin studiert hat.

Vor allem aber ist es erfreulich, dass in diesem Gespräch ganz unverkrampft über sehr wesentliche Themen gesprochen wird. Natürlich wird erkennbar, dass Lore Waldvogel noch viel mehr hätte sagen können. So hat sie noch nichts Ausführliches zum Themenkreis "schöpferische Frau", bzw. "schöpferischer Mensch" gesagt, Themen, die man anhand des philosophischen Werkes von Mathilde Ludendorff natürlich sehr gut erarbeiten kann, und was auch in der Literatur schon geschehen ist. Wozu auch schon hier auf dem Blog ein Aufsatz erschienen ist (1).

Es mag ein ganz willkürlicher Vergleich sein, ein Vergleich der Lebenserinnerungen Mathilde Ludendorffs (2) mit dem Buch "Claras Kinder" von einer Tochter von Robert und Clara Schumann (3). Der Vergleich ergibt sich, wenn man just zu jener Zeit, in der das Interview veröffentlicht wird, im letzteren Buch liest. Und es ist ein sehr schönes Buch über Clara Schumann. Man hat noch nie so viel Hochachtung bekommen gegenüber Clara und Robert Schumann als durch dieses Buch. Und man hat auch viel Interesse bekommen, noch viel mehr über beider Leben und ihre Musik zu erfahren und darüber zu lernen.



Und doch, so muss man sich - aus dem Vergleich heraus - sagen, packt einen nur ein einziges Kapitel aus den Lebenserinnerungen von Mathilde Ludendorff gleich noch viel umfassender als noch so schöne Erinnerungen der Eugenie Schumann. Welch ein Reichtum in so wenigen Worten oft. Was für ganz unterschiedliche Lebensbereiche werden auf so wenigen Seiten angesprochen. Man meint, dass eigentlich schon jeder Mediziner davon profitieren müsste, diese Erinnerungen zu lesen und diesen Blick auf das eigene Fach zur Kenntnis zu nehmen. Etwa auch Menschen, die über die Medizingeschichte der Charite arbeiten.

Dieses Gespräch muss man sich mehrere male anhören. Weil in ihm sehr viele wesentliche Themen angesprochen sind und weil Lore Waldvogel vorbildlich differenziert argumentiert. Sie hat von Mathilde Ludendorff wirklich schon vieles verstanden. Sie macht in der Wiedergabe ihrer Gedanken - soweit übersehbar - keine inhaltlichen Fehler. Und das will doch recht viel heißen. Bzw., dies macht deutlich, dass die vielen gedankenlosen, oberflächlichen Fehler, die sonst in der Wiedergabe der Gedanken Mathilde Ludendorffs gemacht werden, wirklich nicht nötig sind, auch von Seiten von Menschen, die sich - wie Lore Waldvogel - noch nicht sehr umfassend mit dem philosophischen Werk dieser Frau beschäftigt haben.

In dem Gespräch sind auch viele Dinge sozusagen "zwischen den Zeilen" enthalten. Die Rolle der Frau und Mutter in modernen Wissensgesellschaften hat Mathilde Ludendorff sehr differenziert durchdacht und das gibt Lore Waldvogel außerordentlich genau und differenziert wieder. Man muss ihr und Walter Spatz sehr danken für dieses Gespräch.

Das Gespräch gab uns Veranlassung, hier auf dem Blog einen älteren Beitrag der Zeitschrift "Die Deutsche Volkshochschule" digital zugänglich zu machen (Gedanken zu einer zeitlosen Frage). Dies mag gerne als der Versuch einer Fortsetzung dieses Gespräches angesehen werden.
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  1. Bading, Ingo: "Das Genie ringt sich durch" - Ein weiser Satz oder Irrtum? Begabung für das Schaffen auf kulturellem Gebiet - ringt es sich geradezu zwangsläufig durch? Oder türmen sich Gefahren um die Verwirklichung einer Begabung? Auf: Studiengruppe Naturalismus, 25. Dezember 2012, http://studiengruppe.blogspot.de/2012/08/frau-und-musik.html; in Fraktur auch hier: http://sei-beseelt.blogspot.de/2012/12/das-genie-ringt-sich-durch-ein-weiser.html
  2. Ludendorff, Mathilde: Durch Forschung Schicksal zum Sinn des Lebens. 2. Band der Lebenserinnerungen. Ludendorffs Verlag, München 1937 
  3. Schumann, Eugenie: Claras Kinder. Mit einem Nachwort von Eva Weissweiler. Dittrich-Verlag, Köln 1991
  4. Peter-Alexander Bösel: Der Kurfürstendamm - Berlins Prachtboulevard. 2008 (Google Bücher)