Samstag, 13. Mai 2017

Günstige Einflüsse ....

.... Um ein guter Mensch zu werden

Um in heutigen Zeiten ein guter Mensch zu werden, bedarf es einer ganzen Batterie von guten Einflüssen. Ein guter Einfluß einmal hier oder einmal dort reicht nicht, reicht lange nicht. Es muß von guten Einflüssen nur so hageln.

Es müssen gute Einflüsse sein aus der Kunst, es müssen gute Einflüsse sein aus der Philosophie, es müssen gute Einflüsse sein aus der Wissenschaft. Aber sie alle reichen nicht hin. Sie alle reichen noch lange nicht hin. Es müssen auch gute Einflüsse sein aus der Zeitgeschichts-Forschung. Aber auch das reicht nicht hin. Es muß natürlich Frühling sein, die herrliche Natur muß sich vor einem entblättern. Man darf den Fluch der Städte nicht um sich spüren, nie, niemals. Man muß der Kindheit ihren Raum lassen, der Kindheit der Menschheit, der Kindheit im eigenen, individuellen Leben, im Leben der eigenen Kinder. Man muß Seen um sich herum haben, Flüsse, Weiden, Bäume aller Art, Vogelgesang aller Art. Es bedarf so vieler guter Einflüsse. Man bedarf des blauen Himmels, dräuender Wolken, der Regengüsse. Und auch das alles reicht noch nicht hin.




Es bedarf der Erinnerung. Der Erinnerung an so und so viele holde, große, erhebende und erhabene Gedanken und Erlebnisse im eigenen Leben und in dem Leben der Großen unserer Kultur, unseres Volkes. Es ist der Bedarf vorhanden, davon über und über zu sammeln und anzuhäufen. Keine Faser Leben darf davon nicht durchtränkt sein.

Und wenn all das da ist - und noch so vieles mehr - und man bedürfte der Liebe nicht, der herrlichen, wessen würde man dann überhaupt bedürfen? Es mag alles da sein - ohne Liebe bleibt alles schal und schmal und trocken und leer - ein Kehrrichthaufen. Ein Kothaufen. Straßenköter, die es hingekackt haben.

Es ist das ein Unverstand unter heutigen Menschen, selbst noch unter den wohlgesinnteren. Daß ihnen nicht - oder selten - klar ist, welcher Fülle guter Einflüsse es bedarf, um echt, gottnah, lebendig zu sein. Das machen sich die wenigsten klar, die Seltensten.

Es bedarf nicht nur dieses Einflusses, jenes Einflusses. Nein, die ganze Kaskade, die ganze Batterie der Kultur muss man auf sich einprasseln lassen, man muss sie aushalten, um auch nur einigermaßen anständig zu werden.

Auch möchten sie nicht - oder selten - den Königsweg der Leiden gehen, nein, nein, den möchten sie nicht gehen. Sie glauben, sie wären dazu da, nur - oder doch zumindest vornehmlich - Glück zu erleben. Haben sie niemals König Lear gesehen, von Shakespeare? Oh, die Verfluchten, die keine Ahnung haben davon, was ein Mensch alles fähig ist auszuhalten. Und was das Schicksal alles fähig ist, Menschen anzutun. Oh, über die Verfluchten.

Der Asket, der Leidende, derjenige, der entbehrt um eines höheren Gutes willen - er darf ihnen nicht zu nahe kommen. Sie fühlen sich nicht wohl in seiner Nähe. Er will mehr als man verlangt, gegenwärtig, in heutigen Zeiten. Oh, das kann er nicht. Nein, nein: Wie kann er nur!

Dieses verfluchte Gesindel! Diese verfluchten Gestalten!

Sollte er die Anforderungen, die er an sich selbst stellt, an sie, seine Mitwelt stellen, oh, so wird er etwas erleben. Oh, oh! So reagiert sie gereizt, so wird sie "empfindlich". Sie stellt die Behauptung auf, man verstünde sie nicht, diese doch so ganz und gar gotterfüllte, gottnahe Mitwelt. Es würde nur nicht ordentlich hingeschaut, es würde nicht wahrgenommen, was sie in ihrer Armut alles zu Markte tragen würde, sie, diese so herrliche Mitwelt.

Ach so, man sieht es nicht? Man nimmt es nicht wahr? Man ist mit Blindheit geschlagen? Oh, über diese Elendigen. Sie wissen nicht, warum man vor ihnen weg laufen muß. Sie haben noch nicht einmal die leiseste Ahnung davon.

Der guten Einflüsse kann man sich nur unterwerfen, sie wirken sich gar nur als gute Einflüsse überhaupt erst aus, auch dann erst, wenn sie hagelweise kommen, wenn Bereitschaft da ist, Aufnahmebereitschaft. Die Seele muß ein Wollen zu ihnen verspüren, die Seele muß ein Wollen wachsen lassen. Es muß sie überfallen wie eine tiefe, lang entbehrte Sehnsucht. Sie muß sich bitter kränken, reiben an so viel Schalheit, Leerheit im Leben, im eigenen, im Leben der anderen und an den bitteren, betrunkenen, kranken, schalen Einflüssen, den schlechten, die von dem Leben der anderen, von ihrer Leerheit ausgeht, von dieser "Sanftheit des Fleisches", das sich nie, nichts und niemals etwas zuleide tun möchte, das das Göttliche nicht verspürt.

Oder, noch schlimmer: das das Göttliche in all dem okkulten, esoterischen Quark sucht, von dem das Angebot - so ungeheuer bezeichnenderweise - in heutigen Zeiten so unglaublich vielseitig und vielfältig ist. Oh, es wird das schon nötig sein, dieses Angebot, so nötig. Die Menschen könnten sich sonst "allein" gelassen fühlen, einsam, nackt, unbekleidet. Aber so ein bisschen Esoterik, so ein bisschen Gedanken-Schnuck hier und Gedanken-Schnuck dort, läßt sie sich warm angezogen fühlen. Und mehr bedürfen sie doch nicht, mehr ist doch nicht der Begehr dieser Armen, Nackten, Kranken.

Sie wollen doch nur eines nicht: frieren.

1 Kommentar: